Schüler*innen fragen, Politiker*innen antworten - Podiumsdiskussion an der ARS

Nach gründlicher Vorbereitungszeit konnte am Mittwoch, dem 27.9., endlich eine Podiumsdiskussion an der ARS stattfinden. Namhafte Politiker*innen beantworteten Fragen von Lernenden, die zum Teil bereits am Ende des letzten Schuljahres von POWI- Lehrkräften in ihren Klassen gesammelt wurden. Aber auch während der Veranstaltung auftauchende Fragen konnten von den mehr als 120 teilnehmenden Schüler*innen gestellt werden.

 

Befragt wurden als Gäste: Angela Dorn (Grüne), Dirk Bamberger (CDU), Sebastian Sack (SPD), Lisa Deißler (FDP), Ayla Arthur (Die Linke) und Pascal Schleich (AFD).

Timo Steinert, Fachsprecher POWI, auf dessen Betreiben die Veranstaltung zu Stande kam, übernahm die Anmoderation, in der er verdeutlichte, dass die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler durch die Veranstaltung unter anderem eine verantwortungsvollere Wahlentscheidung treffen könnten.  Regina Gedeon und Christoph Paul führten durch die Diskussion. Nach einer kurzen Vorstellung der Gäste mit dem Schwerpunkt, ihre Parteiarbeit zu begründen, folgten drei Themenblöcke:

  • Innere Sicherheit (Jugendkriminalität, Beispiel Lahnterrassen)
  • Bildung (z.B. Bildungsgerechtigkeit, zukunftsfähige Berufsschule)
  • Und Klima (z.B. Fridays for Future, Letzte Generation, Move 35, Parkplatzbewirtschaftung)

Die Reihenfolge der ersten Redebeiträge wurde durch die Sitzverteilung im Landtag vorgegeben. Allen Politiker*innen gemein war ein früher Einstieg in die Politik, mit dem Vorsatz, gesellschaftliche Bedingungen mitgestalten zu wollen.   

Beim Thema Bildung betonten alle Beteiligten die Wichtigkeit von Fachkräften und damit verbunden des dualen Ausbildungssystems. Pascal Schleich (AFD) lobte, dass bereits 4000 neue Lehrerstellen geschaffen worden seien. Sebastian Sack (SPD) kritisierte, dass zunehmend mehr Studierende als Lehrkräfte eingestellt würden und Hessen nur im Mittelfeld beim Thema Bildung im Länderverglich liege. Er forderte, keine Standorte von Berufsschulen aufzugeben, stattdessen eher breit auszubilden und nur beim Fachunterricht Klassen zu trennen. Angela Dorn (Grüne) ging in ihrer Planung so weit, Campi für Berufsausbildung anzudenken. Ayla Arthur (Die Linke) betonte die Wichtigkeit des gemeinsamen Lernens aller Schüler*innen bis zur 10. Klasse und eine frühzeitige Berufsorientierung. Lisa Deißler (FDP) verlangte, veraltete Lehrpläne zu entschlacken und stattdessen Basics wie Steuererklärung ausfüllen, Haushaltsplanung und Vertragswesen (Miet-, Arbeitsverträge) im Unterricht zu behandeln.  

Auf die Rückfrage eines Schülers hin gab Dirk Bamberger (CDU) Pläne bekannt, Ausbildung bis zum Meister kostenfrei zu gestalten.

Ebenfalls auf die Rückfrage eines Schülers hin distanzierte sich Pascal Schleich (AFD) von verharmlosenden Holocaustäußerungen eines Parteikollegen.

Anschaulich spitzte der Moderator das Thema Sicherheit auf Marburg zu. Sack forderte mehr Räume für Jugendliche, um sich zu treffen. Gleichzeitig befürwortete er besser ausgestattete Polizeidienststellen. Bamberger stellte fest, dass es in Marburg nicht nur um gefühlte Unsicherheit in der Bevölkerung gehe. Bedrohliche Situationen hätten zugenommen. Ihm sei wichtig, sich vor die Polizei und deren Ordnungsfunktion zu stellen. Arthur stellte Prävention als das Mittel der Wahl bei den Linken heraus. Frustration bringe Gewalt. Es sei auch nicht hinzunehmen, dass jeder, der nicht wie eine „Deutsche Kartoffel“ aussehe, kontrolliert würde. Deißler ließ sich über Vor- und Nachteile der Videoüberwachung besonders gefährlicher Plätze aus. Schleich machte deutlich, dass aus seiner Sicht bestraft werden müsse, wer Einsatzkräfte angreife. Den Begriff „Deutsche Kartoffel“ bezeichnete er als diskriminierend. Er lehne auch eine doppelte Staatsbürgerschaft ab 18 ab. Integration gelinge besser, wenn man sich für eine entscheide.

Dorn kommentierte und widerlegte verschiedene Argumente der AFD und kritisierte, eine Abgrenzung nach rechts finde nicht statt.

Hitzig war eine Replik von Sack, der einem Schüler vorwarf, er beziehe seine Bildung aus der Bildzeitung. Dieser hatte in einer Frage von „Ampel-Gehampel“ gesprochen.

Ohne Bamberger, der andere Verpflichtungen hatte, fand nach einer Pause der letzte Themenblock „Klima“ statt.

Dorn, Sack und Arthur wollen einen Ausbau der Bus-Taktung und mehr ausgebildete Fahrkräfte. Auch der Gleisausbau solle weiter vorangetrieben werden. Arthur forderte in diesem Zusammenhang billige Deutschlandtickets für Bedürftige. Schleich vertrat die Ansicht, dass Deutschland das Weltklima nicht retten könne. Es sei besser, die Betriebe im Inland zu halten und auf ehrgeizige Klimaprojekte zu verzichten. Eine engere Bus-Taktung hielt er für zu kostenintensiv.

Deißler möchte den Verbrenner-Motor auch zukünftig. Allerdings sollten dafür E-Fuels weiterentwickelt werden, die zunächst dem Lieferverkehr zugutekommen müssten.  Dorn betonte, das Verbrenner-Aus sei kein Vorschlag der Grünen gewesen. Lützerath, was von RWE abgebaggert werde, sei ein Kompromiss, der auch zur Folge habe, dass Deutschland früher aus fossilen Energien aussteige.

Alle Teilnehmenden grenzten sich zu den Aktionen der „letzten Generation“ ab.  

Dass aber das Klima menschengemacht sei und man darauf Einfluss nehmen sollte, betonte Sack, der als Ersthelfer im Aartal war. Er werde diese Katastrophe nie vergessen.

Die Schüler*innen waren sehr begeistert von der Veranstaltung. Am besten habe ihm gefallen, so ein Schüler, dass Frau Dorn die AFD so auseinandergenommen habe. Eine Schülerin fand die „echten“ Politiker*innen viel eindrücklicher als deren Auftritt in sozialen Netzwerken. Und wiederum ein anderer Schüler zeigte sich bestürzt darüber, dass es den Menschen nicht gelänge, hinsichtlich der klimatischen bedrohlichen Veränderungen an einem Strang zu ziehen. 

Die Veranstaltung endete mit dem Appell von Christoph Paul an die Schüler*innen: „Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch!“